Zwei Fraktionen

Ist die anfängliche Mietrendite das entscheidende Kriterium beim Kauf einer Immobilie?

Die Nachfrage nach Immobilien ist gewaltig. Immer mehr private Investoren suchen ihr Heil in Sachwerten, um sich vor Inflation und den Auswirkungen der Staatsschuldenkrise zu schützen. Dabei kristallisieren sich zwei Gruppen heraus: Die eine schaut auf die anfängliche Mietrendite eines Objekts, die andere hat das Wertsteigerungspotential im Blick.

Für die erste Fraktion erscheinen Premiumwohnimmobilien in Top-Lage deutscher Großstädte derzeit unattraktiv. Deren Preise sind hoch und dementsprechend liegt ihre Mietrendite oft nur bei 2 oder 3 Prozent. Objekte von mittelmäßiger Qualität oder an schlechteren Standorten versprechen deutlich mehr und sind daher für diese Gruppe das bevorzugte Investitionsziel. Dass bei diesen Objekten auch höhere Risiken vorhanden sind, scheinen viele Investoren nicht wahrzunehmen.

Die zweite Fraktion geht anders vor:
Schon während der Finanzkrise 2008/09 kauften vor allem Family Offices für ihre Kunden Sachwerte wie Premiumwohnimmobilien, die in erster Linie dem Vermögenserhalt dienten. Im Zuge der Euro-Krise handeln nun auch vermögende Privatanleger außerhalb von Family Offices nach dieser Prämisse. Sie setzen auf hohe Sicherheit und Wertsteigerungspotential. Und dazu zählen eben nicht Durchschnittsimmobilien in Bremerhaven oder Magdeburg, sondern Premiumobjekte in Hamburg oder München.

Die hohe Nachfrage nach Premiumwohnimmobilien sorgte dafür, dass das Preisniveau in den vergangenen Jahren stark stieg. Wird das auch so bleiben? Dafür spricht, dass sich die Spreizung bei Einkommen und Vermögen, gerade auch in Deutschland, verstärkt hat und weiter verstärken wird. Was Sozialpolitiker bedauern, bedeutet für Investoren aber, dass es längerfristig eine stabile Nachfrage nach hochwertigen Immobilien geben wird.

Bild: Uwe Schmitz (Vorstandsvorsitzender der Frankonia Eurobau AG
aus "Frankfurter Allgemeiner", 31.08.2012

3. September 2012