Friedrichswerdersche Kirche: Eine Zeitreise ins frühe 18. Jahrhundert

Schinkelplatz

Mit dem Edikt vom 17. Januar 1709 zur Bildung der Königlichen Residenz Berlin wurden die Städte Berlin, Cöln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zur preußischen Hauptstadt vereint. In diesen Jahren entstanden zeitgleich der Deutsche Dom am Gendarmenmarkt (1701-1708), die Parochialkirche (1705), die französische Friedrichstadtkirche (1701-1705), die Friedrichswerdersche Kirche (1701) und die Sophienkirche (1712-1713). Fast alle Kirchen standen frei und wurden von einem Kirchhof und einem Friedhof umgeben. Anders die Friedrichswerdersche Kirche: Sie entstand aus einem vorhandenen Reithaus, das zwischen 1701 nach den Plänen von Giovanni Simonetti zur Doppelkirche umgebaut wurde - der Nordteil für die calvinistisch französischsprachige Gemeinde, der Südteil für die deutschsprachige Gemeinde. Diese bauliche Lösung bot sich an, weil der Vorgängerbau ein 90,4 m langes und gleichzeitig sehr schmales Gebäude war. Einhundert Jahre wurde die Kirche aufgrund zahlreicher Bauschäden erstmals umfassend saniert.

Ein Plan von 1811 zeigt, dass an der westlichen Seite der Kirche von jeher nur ein ganz schmaler Weg von der historischen Wohnbebauung trennte, während nach Osten die Niederlagstraße zwischen Kirche und Bebauung lag, an der sich wiederum auch Wohn-und Geschäftshäuser befanden. Im Bebauungsplan von Karl F. Schinkel für Berlin von 1817 entwickelte Schinkel seine neue Vision für die Friedrichswerdersche Kirche. An der Stelle der alten Kirche plante Schinkel die Errichtung zweier symmetrisch nebeneinander stehender Kirchen. Schinkel entwickelte weitere Entwürfe, bis 1824 der finale Entwurf vorlag. Aus den Quellen geht hervor, dass vor allem die Sparsamkeit des Königs Schinkel immer wieder dazu veranlasste, ästhetische Änderungen vorzunehmen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch bauliche Aspekte aus Kostengründen und dem Edikt der Sparsamkeit anders als sonst üblich gelöst wurden. Die Kirche wurde 1830 fertiggestellt und am 10. Juli 1831 eingeweiht. Sowohl der Vorgängerbau als auch der Neubau wurden nicht wie sonst üblich von einer Platzanlage oder Friedhof umgeben, sondern grenzten unmittelbar an die umliegenden Wohn- und Geschäftshäuser. Die Veränderung des Materials hat Auswirkungen auf die Statik des Gebäudes. Aufgrund der Enge der umgebenen Bebauung wurde die Statik des Kirche anders als sonst üblich über massive Stützpfeiler, die als Säulen an der Außenfassade ausgebildet wurden, definiert: in der Friedrichswerderschen Kirche wurden stattdessen Strebepfeiler im Innenraum befestigt und damit Rücksprünge geschaffen. Zwischen den Strebepfeilern wurden hölzerne Emporen eingebaut anstelle der geplanten gusseisernen Ausführung. Im Innenraum wurden alle Flächen mit Weißputz und Stuck überzogen und die Ausmalung suggeriert ein ziegelsichtiges Gewölbe. Das Kirchendach diente im 19. Jahrhundert als Aussichtsplattform. Den Ausblick nutzte der Künstler Eduard Gaertner für seine Panoramen von Berlin. Sie zeigen, wie verwinkelt und eng bebaut die Umgebung unmittelbar um die Kirche war.

07. März 2016