Ein Denkmal für Mutter Ey - sie verdient es



Jede Stadt hat ihre Geschichte - mit Daten und Ereignissen verbunden. Wallte ein Stadtführer jedoch allein auf sie zurückgreifen, dann fielen seine Zuhörer wohl in den Tiefschlaf. Nein, zur Geschichte muss man Geschichten erzählen können. Sehr bald schon werden Stadtführer an der Neubrückstraße, Ecke Andreasgasse, also in der Altstadt, vor einer mächtigen Bronzestatue stehen. Der Bildhauer Bert Gerresheim hat die

,,Mutter Ey" geschaffen. Mit einer Geschichte ist sie in Bronze gegossen.

Die überlebensgroße Skulptur zeigt eine Frau, die sich auf einen kleinen Kaffeetisch stützt. Ihr zu Füßen sind Werke von Künstlern des „Jungen Rheinland" z.B. Max Ernst, Eulenburg, Dix, Wollheim, Pancok gruppiert. Ihnen war Johanna Ey wie eine Mutter. Der berühmte Max Ernst hat Mutter Ey zum 65. Geburtstag einen Brief mit folgendem Text geschrieben:

Großes Ey wir loben dich
Ey, wir preisen deine Stärke,
vor dir neigt das Rheinland sich,
und kauft gern und billig deine Werke

Johanna Ey hat den Künstlern des Jungen Rheinlands Impulse gegeben. Sie ist von ihnen so oft gemalt oder gezeichnet worden wie keine andere Frau. Sie hat diesen jungen Künstlern in ihrer Bäckerei, auch Kaffeebude genannt, zu essen und zu trinken gegeben, sie hat sie bemuttert und sich so den Kosenamen „Mutter" verdient. Als Gegenleistung für die Bewirtung hat sie oft Zeichnungen und Bilder erhalten was ihr aber nicht so wichtig war, dafür umso mehr die Kunst der jungen Männer.

Beitrag zur Entstehung der "Mutter Ey"- Skulptur im ARD: Hier geht es zum Beitrag

Es gibt weder eine Mauer noch einen Zaun auf dem neuen Mutter Ey Platz. Nicht mal einen Kreidestrich. Ob eine Grundstücks- oder Straßenfläche öffentlich oder privat ist, ob sie sich vielleicht in die eine oder andere Bestimmung teilt, kann man nicht sehen. Aber bedeutend ist die Frage für das Denkmal der Johanna Ey (1864-1947) allemal gewesen. Weil die Gremien der Stadt der berühmt gewordenen Galeristin keinen Platz zuweisen mochten, musste Mutter Ey ausweichen: Auf einen nicht öffentlichen Raum, der aber der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Stadtführer haben Schwerpunkte. Mag sein, dass sich der eine oder andere die Zeit nimmt, um vor dem neuen Denkmal auf dem Mutter Ey Platz, die Geschichte hinter der Geschichte zu erzählen. Über die Stadt Düsseldorf, die zwar in der Altstadt eine Straße nach der Galeristin benannt hat, aber eine ,,öffentliche Fläche" für das Denkmal nicht hergeben wollte.

Vielleicht wird ein Zuhörer die Frage nach dem „Warum" stellen. Der Stadtführer müsste sagen, dass die Kulturverantwortlichen der Stadt der Auffassung sind, es sei genug mit Bert Gerresheim, unserem weithin bekannten Bildhauer, der an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert und Mutter Ey noch persönlich gekannt hat. Der sei mit Denkmälern in der Kommune schon hinreichend vertreten.

Das ist im Kern zwar lediglich eine Meinungsäußerung, aber eine mit großer Wirkung: Es sind städtische Gremien, die über die Verwendung öffentlicher Flächen entscheiden. Die „Insel Hombroich" wäre nie über den Rhein gegangen, wenn diese Gremien dem Investor Müller nicht - rheinisch gesagt - den blanken Hintern gezeigt hätten. Auch ein Künstler wie Anatol könnte eine Strophe zu diesem Lied beisteuern. Er ist nach Meerbusch (Josef Beys Kopf) ausgewichen.

Der Heimatverein Düsseldorfer Jonges von 1932 hat sich sehr bestimmt für das Ey-Denkmal in der Altstadt eingesetzt und sogar selbst nach einem passenden öffentlichen Grundstück gesucht. Viel Mühe, aber letztlich ohne Erfolg. Die Gremien wollten nicht. Auch Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) konnte sie nicht überzeugen.

In der 85jährigen Geschichte der Jonges gibt es Stationen, die belegen: Hartnäckigkeit zahlt sich am Ende oft doch aus. Wenn „öffentliche" Gespräche nicht fruchten, dann vielleicht „private"?

Wenn er sehr gut informiert ist, dann könnte der Stadtführer über ein privates Essen berichten, an dessen Ende der Bauherr des Andreas-Quartiers zusagte, ein Stück seines Grundstücks für das Denkmal bereitzustellen. Und weil der Investor Uwe Schmitz an anderer Stelle in Deutschland schon bewiesen hat, dass ihm Kunst für seine Projekte wichtig ist und dass er inhaltliche Verbindungen zur Geschichte sucht, schuf er gleich einen ganzen Raum für Mutter Ey. Sie bekommt ein Cafe. Und sie bekommt auch eine Ausstellungsfläche für aktuelle Kunst in der die Kunststudenten der Kunstakademie kostenlos ihre Bilder ausstellen können. Kunst war ja ihr Leben.

Hartnäckigkeit hat sich also auch hier ausgezahlt. Und die Stadtführer haben eine schöne Geschichte. Dass sie die Kulturvertreter der Stadt nicht unbedingt in ein schmeichelndes Licht taucht, müssen sie gar nicht erwähnen. Ihre Zuhörer werden das schnell begreifen. Gleich wo sie herkommen.

W. Rolshoven

27. August 2017